Eulenspiegelfestspiele 1997

Der Stein des Anstoßes

1997
2000
2003
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Die Geschichte von Till Eulenspiegel berichten, dass er in Jahre 1350 nach Mölln kam und hier starb. Woran er sich in der Stunde seine Todes erinnert haben mag, die Höhen und Abgründe seine Lebens, davon erzählt der "Stein des Anstoßes". Wie ein Leitmotiv und ständiger Begleiter tritt dabei der Tod in Erscheinung. Denn all den witzigen, anarchischen, derben und deftig erotischen "Historien" der Überlieferung ist eines gemeinsam: sie verweisen auf das Groteske, die Absurdidät und den Irrsinn menschlichen Treibens. Wenn Till einen "Streich " ausheckt, entlarvt er Dummheit, Doppelzüngigkeit und Korruptheit. Das Publikum liebt ihn dafür, die Betroffenen hassen ihn. Er wird verehrt und angespien. Doch ist er im "Stein des Anstoßes" nicht der strahlende Held, der stets den gutgelaunten Spaßmacher gibt. Er ist ein Mensch, der sich, wie jeder andere, in Widersprüche verstrickt. Heulendem Elend folgt schallendes Gelächter, glühender Liebe folgt eiskalter Tod. Er ist eben eine Narr, der Anstoß erregt und - manchmal - einen Stein ins Rollen bringt.

Till und Tod:

Zwei Figuren, die untrennbar zusammengehören. Till durch Worte uns Taten der Welt einen Spiegel vor, und sie lacht. Aus Dummheit lacht, wer darin seine eigene Eitelkeit bestätigt findet. Aus Schadenfreude lacht, wer darin andere straucheln sieht. Wer durch den Spiegel hindurchzublicken vermag, schaut in Abgründe. Und lacht, um sich selbst zu retten, aus Verlegenheit, hysterisch, dem Tod ins Gesicht.

Tills Tragik:

Till weiß, was sein Spiegel zu zeigen vermag. Deshalb weiß er um die eigene Beschränktheit, die er aber nicht akzeptieren will. Darin gleicht er Sisyphos: Er kann's nicht lassen, immer wieder den Stein ins Rollen zu bringen. Auch wenn er nichts ändert. Das macht ihn menschlich - und lächerlich.

Tills Freiheit:

Der "historische" Till hat kein Zuhause, keine private Biografie, keinen Beruf, keinen gesellschaftlichen Status. Er hat die Freiheit des Vogelfreien: Die Freiheit, die er sich nehmen muss und die ihm niemand gewöhrt. Deshalb konnte er als Revolutionär, als Kinderbuch-Schelm und als Büttenreden-Kasper vereinnahmt werden.

Tills Komik:

Zahllose Historiker mühen sich seit Generationen in ihrem Fußnoten-Wahn, den Lebensweg des "echten" Eulenspiegel nachzuweisen. Das liest sich ziemlich komisch. Denn wer ihm auf den Leim geht, verliert seinen Humor. Oder den Verstand. Der Grat dazwischen ist schmal und messerscharf. Wie Tills Witz.

 

Konzeption: Jürgen Oliver Nees, Stefan Schönfeld

Autor: Jürgen Oliver Nees

Regie: Stefan Schönfeld

Till Eulenspiegel: Matthias Klimsa

Der Tod: Christos Topoulus

Bühenenbild und Kostüme: Ulrich Wolff, Gertie Trautvetter

Maske: Veronica Schlicht, Wiebke Schultze

Komposition und musikalisch Leitung: David Malazonia

Musik: ADIO, Anna Bertram, Regina Boysen, Rita Küster

7. - 17. August 1997